Christine Berndt
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Stille Post
Performance in Abwesenheit

2007 Gemeinschaftsausstellung „Ich sehne mich und weiß nicht recht nach was“, Teheran, Iran

ZEBUNNISA MAKHFI
Ist die älteste Tochter des Mogul-Kaisers Aurangzeb und lebte von 1639-1702. Sie soll eine große Mäzenin und Buchliebhaberin gewesen sein und eine unvergleichliche Bibliothek besessen haben.

Wie in dem Kinderspiel, bei dem ein Satz von Ohr zu Ohr geflüstert wird, wird ein Zitat aus der islamischen Literatur weitergegeben: „Erwählte mich ein Maler zum Modell, wie würde er die Form des Seufzers zeichnen?“ Der Satz stammt aus dem Lyrikband „Ein Buch namens Freude“, der Gedichte von islamischen Frauen – von Fatima, der Tochter Muhammads, bis in die heutige Zeit – versammelt.

Am 05.06.2007 wurde der lyrische Satz im Café „St. Oberholz“, Rosenthaler Straße, Berlin, einer Person ins Ohr geflüstert, die auf dem Weg nach Teheran war. Dort angekommen, wurde er so oft von Ohr zu Ohr weitergegeben, bis er durch die Stadt geflüstert in der Tarahan-e azad Gallery eintraf, dort aufgeschrieben wurde und dann zu lesen war: Ein Satz, ursprünglich aus einer anderen Zeit stammend, der in den kommunikativen Kreislauf der Gegenwart geraten war.

Die Arbeit greift eine Form der Übermittlung einer Botschaft auf, die ohne Medien und Presse auskommt. In ihrer persönlichen Übertragungsform ist sie unspektakulär und beharrlich zugleich.
Ein ins Ohr geflüsterter Satz vermag zu schweben und im Geiste des Empfängers zu überleben. Grenzenlos vermag er Zeit und Raum zu überwinden. Im Laufe der Übertragung versteht jeder den Satz ein wenig anders, und schließlich ist er am Ende der Kette vielleicht nicht mehr der Satz, der er einmal war. Seine Poesie und Beständigkeit jedoch bemessen sich an der Spur, die er zu hinterlassen vermag.